Der Wunsch, natürliche Hindernisse durch Brücken zu überwinden, ist so alt wie die Menschheit. Mit einem einfachen Baumstamm über den Bach fing es wohl an und führte letztlich sogar dazu, Kontinente zu überwinden.
Eine weitere Bestätigung für die These, dass Brücken Lebensadern sind. Sie führen Menschen zusammen und knüpfen Kontakte – über Gewässer und Abgründe hinweg erschliessen und verbinden sie die Welt.
Vielfalt von Brücken:Balkenbrücken - Fachwerkbrücken - Seilverspannte Brücken - Bogenbrücken
Schrägseilbrücken - Spannbetonbrücken - Hängebrücken, etc.
Bei allen Brücken wird das Baumaterial so eingesetzt, dass sie den auf sie einwirkenden Kräften standhalten, sie überwinden oder sogar ausnutzen. Diese Kräfte werden verursacht durch: das Eigengewicht des Tragwerkes (Brücke), die Verkehrslast sowie die Umweltbelastungen (Wind, Wasser, Erdbeben). Verschiedene Kräfte wirken auf das Baumaterial von Brücken wie: Druck- und Zugkräfte, Scherkräfte, Torsion, Verwindung und Schubkraft. Beim Brückenbau wird das Prinzip von Kraft und Gegenkraft besonders deutlich. Jede Brücke biegt sich bei Belastungen ein wenig durch. Dass sie nicht bis zum Einsturz durchgebogen wird, liegt an einer Gegenkraft. Diese wird durch die Elastizität der Brücke hervorgebracht. Die Gegenkraft wirkt der von der Verkehrslast ausgehenden Kraft und der Gewichtskraft der Brücke entgegen und gleicht sie aus. Die Kunst des Brückenbaus besteht nun darin, zu jeder belastenden Kraft eine Gegenkraft zu finden, welche die Wirkungen der ersten aufhebt. Man sagt dann: Die Bauteile der Brücke sind im Kräftegleichgewicht.
Ein Beispiel aus dem schweizerischen Brückenbau ist die Ganterbrücke Ried-Brig an der Simplonstrasse im Wallis. Mit einem S-förmigen Strassenverlauf und einer fast 700 m langen und 150 m hohen Brücke umfährt diese die Talüberquerung. Der steile nördliche Abhang besteht im Bereich der Brücke aus zerklüftetem, brüchigem Felsen. Der südliche Abhang ist wesentlich weniger steil, der Fels liegt jedoch sehr tief und ist mit stark durchnässtem Moränenmaterial und Hangschutt überdeckt. Im Durchschnitt bewegt sich der Hang zwei bis drei mm pro Jahr talwärts. Die Linienführung der Brücke besteht aus einer S-Kurve mit einem geraden Mittelstück von 174 m Länge. Der Übergang von der Kurve zur Geraden befindet sich genau über der letztmöglichen Fundationsstelle (Festpunkt) im Felsen unmittelbar neben dem Saltinabach.
Als Tragsystem wurde deshalb vom Projektingenieur mit Hinblick auf die grosse Spannweite und Höhe in der Brückenmitte ein steifes Schrägkabelkonzept mit niedrigen Pylonen und in Flügelmauern einbetonierten Vorspannkabeln gewählt. Die 678 Meter lange Brücke weist acht Felder mit unterschiedlichen Spannweiten von 35 – 174 Metern auf. Auf der orthografisch rechten, nördlichen Talseite sind die Stützen in der erforderlichen Tiefe in den Felsen eingebunden. Gegenüber, am südlichen Abhang, wurden offene Schächte erstellt. Von den Schächten aus wird der Hang zusätzlich zur Oberflächendrainage entwässert. Alle Stützen sind am Stützenfuss auf grossen Stahllagern, die mit Gleiteinrichtungen versehen sind, gestellt, damit die Stützenfüsse der Kriechbewegung des Hanges entsprechend nachgestellt werden können.
Die Nachstellarbeiten mit speziellen Pressenvorrichtungen wurden erstmals im Jahre 2006, also vor 20 Jahren durch die Spezialfirma mageba sa, Bülach (Projektleiter: Albert Weder) bei 4 Pfeilern und dem Widerlager hangseitig Richtung Simplonpass durchgeführt.
Die Nachstellwege bewegten sich zwischen 25 - 125 mm in der Längs- und Querachse zur Brücke. Bis heute hat sich der südliche Hang stabilisiert. Jedoch werden weiterhin mögliche Verschiebungswege der Brücke jährlich von den zuständigen Stellen gemessen, um weitere Massnahmen rechtzeitig planen zu können.
Im Herbst 2026 wird ein 2. Teil vom Brückenbau in diesem Blatt erscheinen.
Für das Umweltteam, Albert Weder, Kirchenpflege Ressort Liegenschaften und Umwelt